Keiner muss sang- und klanglos gehen

240220PC Nicht sang- und klanglos abtreten

Mensch Mahler am 20. Februar 2024


Im Moment kommt es dicke. Um mich herum wird gestorben. Das liegt vielleicht daran, dass ich Pastor bin. Vielleicht auch, dass in meinem Alter die Einschläge näherkommen. Als och heute bei einer Freundin saß, die mir mitteilte, dass sie die Chemotherapie jetzt abbrechen will, weil sie sich in ihr Schicksal fügt, kamen gleichzeitig 2 Todesmeldungen auf meinem Handy an. Ein guter alter Rundfunk-Freund aus Hamburg und die Frau eines Kumpels aus der Jugendzeit sind gestorben.

Ich lebe in einer Kirchengemeinde, die es noch schafft, zu jeder Beerdigung einen Chor zusammenzustellen und zu singen. Eine Meldung hat mich deshalb heute besonders gefreut:

Damit Menschen nicht sang- und klanglos von dieser Welt gehen, singt das Karlsruher Weststadt-Chörle ehrenamtlich bei Trauerfeiern von Menschen, die keine Angehörigen haben. Chef-Organisator Andreas Rüdiger kam die Idee, als er einen Beitrag über ein Chorprojekt in Stuttgart sieht. Das war vor 6 Jahren.

„Das hat mich sofort angesprochen, diese Idee, dass da Menschen singen für andere Menschen, die verstorben sind und anscheinend niemanden haben“, so Rüdiger gegenüber der Tagesschau. Und weiter:

„Es erfüllt einen eine klein wenig, dass man wenigstens die Verstorbenen etwas begleiten konnte.“

Pfarrer Erhard Bechtold ergänzt: „Dieser Chor bringt eine Feierlichkeit rein – und das sind ja Menschen, die meistens nicht auf der Sonnenseite des Lebens gestanden haben. Dass die nochmal so gewürdigt werden, ist etwas Wunderbares. Das ist ein christlicher Dienst der Nächstenliebe.“

Ich genieße es, wenn ich Beerdigungen halten darf: Niemand muss sang- und klanglos abtreten. Ob „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ oder „Imagine“ von John Lennon. Das ist gleich. Uns verbindet alle die eine große Liebe, die uns auffängt, wenn wir fallen.


 





 




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