Glück im Unglück

211027MM

Glücklich im Unglück. Mahler meint am 27.10.21

 

Jetzt habe ich den Schmöker durch. Jaffa Road von Daniel Speck, 665 Seiten, die sich absolut lohnen. Jüngere Zeitgeschichte über einen deutschen Wehrmachtssoldaten, die Gründung des Staates Israel, die Palästinenser und das Attentat von München während der Olympiade 1972. Alles verpackt in eine höchst verworrene Familiengeschichte. Aber das wollte ich Ihnen nur nebenbei erzählen. Und trotzdem empfehlen. Daniel Speck, Jaffa Road, erschienen bei Fischer, Paperback kostet 16,99.

In diesem Buch habe ich einen Satz gefunden, der mich sofort angesprochen hat. Sie haben es vielleicht vermutet, weil mein Freund und Kollege Christian Orschmann in der letzten Zeit mehr als sonst einspringen musste. Ich bin erkrankt. Ernsthaft. Und lebe gerade zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Mut und Verzweiflung. Und da ist mir eben dieser Satz begegnet, der mich total erwischt hat. 

„Die Voraussetzung zum Glücklichsein ist die menschliche Fähigkeit, das gleichzeitig existierende Unglück eine Zeitlang nicht wahrzunehmen.“ Die Hauptperson in Specks Roman ist eine wahrlich tragische Figur, nirgendwo zu Hause, auf der Suche nach Liebe und Glück – und er kommt niemals wirklich an. Und dann dieser Satz. Immer mal wieder vergisst er die Zeit, die widrigen Umstände, das real existierende Unglück. Und ist im Augenblick – einfach glücklich. Trotzdem. Ich übe gerade. Es fällt mir schwer. Und doch: beim Lachen mit den Enkeln, beim leckeren Essen mit meiner Frau bin ich für Augenblicke einfach glücklich. Glück ist immer im Augenblick. Es kennt keine Dämonen von gestern und keine Monster von Morgen. Jetzt ist Glück.

„Die Voraussetzung zum Glücklichsein ist die menschliche Fähigkeit, das gleichzeitig existierende Unglück eine Zeitlang nicht wahrzunehmen.“ 











 


 



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